
Der Frühsommer nimmt in der zweiten Junihälfte Anlauf mit der ersten markanten Hitzewelle im Alpenraum. Naturgemäß geht das bei uns nicht ganz friktionsfrei ab, denn die Luftmasse wird vor allem über dem Berg- und Hügelland (für Nichtösterreicher: Alpen und Böhmische Masse) rasch hochlabil. Bald wird man in den Vorhersagetexten für die Allgemeinheit bzw. im Radio/Fernsehen die Formulierung „Es kann örtlich zu einzelnen Wärmegewittern kommen.“ oder ähnliches lesen. Was assoziiert der Leser damit? Voraussetzung für Gewitter sei die Hitze. Wo die Gewitter dann auftreten, sei dem Zufall überlassen, so wie man bei kochendem Wasser im Kochtopf nicht wisse, wo die Blasen aufsteigen werden.
Glücklicherweise gelingt es uns in der Gegenwart meistens, Gewitter wesentlich besser räumlich einzugrenzen, sodass das Kochtopfbeispiel inzwischen ein wenig überzeichnet scheint. Überraschungen gibt es immer, lassen sich aber synoptisch- und mesoskalig rückblickend logisch nachvollziehen.
Manchmal werden Wärmegewitter auch „Luftmassengewitter“ genannt, um anzudeuten, dass kein Luftmassenwechsel mit den Gewittern verbunden ist – sie entstünden aus einer heiß-labilen Luftmasse heraus, auch hier scheinbar zufällig mit gewisser Unberechenbarkeit. Das Pendant zu den Wärmegewitter wären die Frontgewitter, die mit einem Luftmassenwechsel verbunden sind. Auch mit der Darstellung der Frontgewitter bin ich nicht einverstanden, da oft behauptet wird, die schwere Kaltluft würde sich unter die leichte Warmluft schieben und diese jäh nach oben reißen. Tatsächlich entstehen die meisten Gewitter in der Regel vor der Kaltfront in Form einer bodennahen Konvergenzlinie.
Meine Überzeugung hingegen ist aus langjähriger Vorhersageerfahrung, dass Gewitter niemals zufällig entstehen, sondern immer in Zusammenhang mit übergeordnetem Hebungsantrieb stehen, das kann eine Kaltfront sein, aber auch eine Dryline, ein Kurzwellentrog, eine kleinräumige Böenfront eines vorangegangenen Gewitterclusters oder die Fernwirkung eines vorbeistreifenden Troges, die sich bis ins Hochdruckgebiet bemerkbar macht.
In Teil 1 kommt eine Fallstudie zu einer „Wärmegewitterlage“, in Teil 2 gehe ich auf Frontgewitter ein.
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